Gefährliche Vorfahrtsregelung

Im Herbst 2012 wurden von der Stadt Köln weitere Einbahnstraßen im Kölner Agnesviertel für Fahrradfahrer in Gegenrichtung geöffnet.
-> Netzlücken im Agnesviertel geschlossen

Im Großen und Ganzen ist dies natürlich sehr positiv zu bewerten – wenn denn das Amt für Straßen und Verkehrstechnik sämtliche Vorfahrtsregelungen überprüft und nicht zusätzliche Gefahrenstellen produziert hätte:

Das folgene Bild aus „Street View“ zeigt die Situation des Radfahrers, der die Schillingstraße in der freigegebenen Gegenrichtung in Richtung Neusser Straße befuhr:

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Der Radfahrer befindet sich in einer Tempo30-Zone und an der Kreuzung existiert keine gesonderte Vorfahrtregelung. Hier sollte eigentlich „rechts vor links“ gelten.

Das Problem besteht aber darin, dass die Vorfahrtregelung auf der Neusser Straße durch ein Zeichen 306 (Vorfahrtstraße) erfolgt (Die Schillingstraße mündet hier von rechts ein):

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Das Zeichen 220 (Einbahnstraße) wurde zwar auch mit dem Zusatzzeichen 1000-32 (Radfahrer von rechts und links) ergänzt, aber wer achtet darauf schon, wenn Zeichen 306 Vorfahrt anzeigt.

Die Konsequenz aus dieser Situation lautet:
Der Verkehr auf der Neusser Straße hat Vorfahrt und der Fahrradverkehr, der von rechts in die Neusser Straße mündet (Schillingstraße) hat ebenfalls Vorfahrt. Ein Konflikt ist somit vorprogrammiert.

Ich dachte eigentlich, dass die verantwortlichen Personen des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik vor einer Änderung umfassende Prüfungen durchführen. Stattdessen wurde hier leichtsinnig die Gesundheit von Radfahrern aufs Spiel gesetzt.
Ich gehe zwar davon aus, dass Radfahrer hier schon aus Eigennutz vorsichtig fahren, aber trotzdem möchte ich ein derartiges, unverantwortliches Verhalten hier anprangern. Was hier versäumt wurde, findet sich bestimmt an vielen Stellen im Kölner Stadtgebiet wieder.

Ich habe weiter oben in der Vergangenheitsform geschreiben, da ich mittlerweile Entwarnung geben kann. Ich habe am 10. Januar die zuständigen Behörden auf dieses Versäumnis hingewiesen. An der Schillingstraße wurde inzwischen – und relativ zeitnah – ein Zeichen 205 (Vorfahrt gewähren) angebracht, welches die Verkehrssituation nun eindeutig regelt:

Wenn man es genau nimmt, müsste hier auch zusätzlich ein Zeichen 274.2 (Ende einer Tempo 30-Zone) montiert werden. Für Radfahrer scheint man dies – aus welchem Grund auch immer – entbehren zu können.

Ich hatte dem Amt für Strassen und Verkehrstechnik zwar auch vorgeschlagen, auf der Neusser Straße das Zeichen 306 (Vorfahrtstraße) zu entfernen und auf die geänderte Vorfahrtregelung hinzuweisen, aber das war dann wohl doch etwas zu viel verlangt…

4 Kommentare zu “Gefährliche Vorfahrtsregelung”

  1. Ralf
    Januar 25th, 2013 11:41
    1

    Sei doch froh, die Autofahrer aus der Strasse gegenüber haben sogar ein Stop-Schild ;)

    Ausserdem, wenn du geradeaus fährst, ist auch kein Beginn einer 30er Zone. Bzw. gibt es am Anfang der Schillingstrasse für Radfahrer überhaupt ein entsprechendes Zeichen?

  2. koelnradler
    Januar 25th, 2013 12:14
    2

    Hallo Ralf,

    der letzte Abschnitt war nicht wirklich ernst gemeint. So wie es ist, ist es schon in Ordnung.

    Ich bemängele nur, dass die Tempo 30-Zone im Dreieck Riehler Straße / Neusser Straße / Innere Kanalstraße nicht überall dort beschildert ist, wo Radfahrer regelkonform in diese Zone hinein oder aus dieser heraus fahren dürfen. Genaugenommen sollte innerhalb von Tempo 30-Zonen grundsätzlich rechts-vor-links gelten und es dürfen definitiv keine Vorfahrtsstraßen (Zeichen 306) darin vorkommen.

    Aber ich könnte mich auch nicht dagegen wehren, wenn man dies evtl. als “Korinthenkackerei” bezeichnen würde…

  3. wilko
    Januar 25th, 2013 12:41
    3

    ergibt sich die Vorfahrtsregelung nicht bereits aus der Pflasterung? Siehe § 10 StVO. Mir liegen jetzt halt nur die Fotos vor, kann man nicht so gut beurteilen. Klar, durch das Schild wird es deutlicher.

  4. koelnradler
    Januar 25th, 2013 15:52
    4

    Hi wilko,

    wenn die Schillingstraße ein verkehrsberuhigter Bereich oder ein “anderer Fahrbahnteil” wäre, würde ich Dir zustimmen. Sie ist aber eine ganz normale Strasse für den fließenden Verkehr. Es ist auch kein abgesenkter Bordstein vorhanden(auch wenn das über Street View so annehmen könnte), sondern halt nur diese Pflasterung. Die Gehwege enden eindeutig an dieser Straße.
    §10 StVO käme daher aus meiner Sicht nicht in Betracht.

    Allein aus der Pflasterung eine Vorfahrtsregelung abzuleiten halte ich für gewagt.

    Im Agnesviertel sind an vielen Kreuzungen und Einmündungen dieser Aufpflasterungen vorhanden. Manchmal sogar nur auf den Straßen, die innerhalb der Tempo 30-Zone von rechts kommen!

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