Benutzungspflicht und Gehwegparken

Ein Bespiel überwuchernder Inanspruchnahme öffentlichen Raums durch parkende Fahrzeuge ist regelmäßig auf der Amsterdamer Strasse zu erleben. Die Straße ist „klassisch“ mit Parkstreifen, Radweg und Gehweg angelegt, wobei die Sichtbeziehung zwischen Radfahrern und anderen Fahrzeugführern immer wieder jäh unterbrochen wird.

Für Radfahrer kommt noch erschwerend hinzu, dass Anfang und Ende der Parkstreifen eigenmächtig verlängert werden und somit teilweise auf dem Radweg geparkt wird. Zusätzlich wird der Gehweg rechtswidrig als Parkstreifen verwendet, wobei die Fahrzeuge nah an die Häuserwand geparkt werden und den Fußgängern teilweise jeglicher Raum genommen wird. Den Fußgängern bleibt zeitweise gar nichts anderes übrig, als dem Radweg zu benutzen. Da man die Trennung zwischen Rad- und Gehweg als Fußgänger sowieso nicht so ernst nimmt (meiner Erfahrung nach denkt zumindest die Mehrheit der Fußgänger so), sind Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern vorprogrammiert.
Übrigens: Bei dem letzten Satz kann man leider auch problemlos das Wort „Fußgänger“ durch „Radfahrer“ ersetzen. Der Wahrheitsgehalt bleibt gleich.

Aufgrund der Vielzahl der falsch parkenden Fahrzeuge, muss ich leider davon ausgehen, dass diese Art des Parkens wohl von der Polizei geduldet wird. Auch wenn hier ein solcher „Parkdruck“ zu herrschen scheint, kann ich die gesamte Situation nicht nachvollziehen.

Ich möchte noch vorwegschicken, dass mir die Problematik der Parkplatzsuche natürlich nicht unbekannt ist. Ich besitze selber ein Auto und wohne im Agnesviertel, welches auch keinen unbegrenzten Parkraum bietet. Früher habe ich im Belgischen Viertel gewohnt, habe aber nie in Bereichen geparkt, die für andere Verkehrsteilnehmer angelegt wurden (Gehwege, Radwege, o.ä.). Notfalls musste man halt etwas weiter entfernt parken. Wozu hat der Mensch wohl Beine? Dies zwingt einen sogar dazu, genau zu überlegen, ob man unbedingt das Auto benutzen muss. Wenn ich in der Stadt lebe, muss ich bei immer größer werdender Anzahl der Fahrzeuge damit rechnen, nicht direkt vor der Haustüre parken zu können – außer ich miete mir einen eigenen Stellplatz.
Aber ich schweife ab…

Mich stört vor Allem, dass sämtliche Radwegabschnitte als benutzungspflichtig ausgeschildert sind. Man kann doch nicht Gehwegparken dulden (eine reine Mutmaßung meinerseits), hierdurch Fußgänger auf den Radweg zwingen und diesen als benutzungspflichtig kennzeichnen. Ich fahre hier zwar auf der Straße, da ein solcher Radweg nicht zumutbar und unbenutzbar (und damit nicht benutzungspflichtig) ist, aber viele Autofahrer scheinen dies nicht zu akzeptieren. Wenn keine Blauschilder mehr vorhanden wären, wäre zumindest die Diskussion an der nächsten Ampel einfacher…

Hier noch weitere Fotos zur Veranschaulichung.
Bitte beachtet, dass sämtliche Fotos am Samstagmorgen gegen 08:00h aufgenommen wurden – daher der geringe Fußgängerverkehr. Die Fußgänger müsst Ihr Euch noch zusätzlich dazudenken:
























4 Kommentare zu “Benutzungspflicht und Gehwegparken”

  1. peter
    Juni 7th, 2012 14:37
    1

    Naja, vielleicht lernen das die dortigen Fahrzeughalter ja, wenn mal ein Fahrrad an ihren Gefährten vorbeigeschrammt ist mal, dass dort kein Parkplatz ist…

  2. Marco
    Juni 7th, 2012 23:17
    2

    Köln ist eine Autostadt und hier -wie fast überall in unserer schönen Stadt auch- möchte man die Fahrbahn frei von Radfahrern halten, andererseits aber natürlich auch sein Fahrzeug irgendwo parken können (was ich prinzipiell ebenfalls verstehe, auch wenn ich kein Auto habe).

    Die Polizei ist für die Parkvergehen übrigens NICHT zuständig! Um den ruhenden Verkehr kümmert sich eine andere Abteilung derer, die uns diese “Radwege” überhaupt eingebrockt haben, nämlich die Stadt Köln in Form des Ordnungs- und Verkehrsdienstes.

    Das tolle ist, den Ordnungs- und Verkehrsdienst der Stadt Köln kannst Du von unterwegs unter der Tel-Nummer 0221-22132000 anrufen und zugeparkte Radwege (natürlich auch Gehwege, etc.) melden. Die schicken dann jemanden raus. Diese Vorgendweise wird auch vom Fahrradbeauftragten der Stadt Köln empfohlen.

    Sollten die dort dann nicht tätig werden, würde ich da ganz einfach jeden Tag anrufen. Passiert dann tatsächlich weiterhin nichts, sollten Beschwerden in dieser Abteilung, als auch beim Fahrradbeauftragten weiterhelfen. Und Öffentlichkeit in Form (D)eines Blogs bestimmt auch ;-)

  3. Rudi
    August 2nd, 2012 06:08
    3

    Die Bilder sind echt gruselig.

    Solange ein Kinderwagen passieren kann, wird Gehwegparken in Kölle vom Ordnungsamt toleriert. Das steht natürlich nirgendwo, ist aber so.

    @Marco – danke für den Hinweis zum Anrufen – Nummer ist notiert.

  4. Initiative Geh-weg-vom-Gehweg
    November 16th, 2012 19:11
    4

    Wir haben das gleiche Problem und nach 1 1/2 Jahren kann man sagen: das einzige, was das Problem sehr schnell löst, sind leider Privatanzeigen. Ist leider so, denn bei uns hilft weder das Ordnungsamt noch die Polizei. Aber Privatanzeigen werden bearbeitet und wirken schnell und wirksam.

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