Sperrung für Radfahrer (Runde 2)

Im meinem letzten Blogbeitrag (Sperrung für Radfahrer) habe ich über die aktuelle Verkehrsführung am Rheinufer berichtet. Das Befahren des Rheinufertunnels ist für Radfahrer verboten und das Befahren der Rheinuferpromenade zu bestimmten Tageszeiten zu gefährlich für alle Beteiligten. Ein schönes Video hierzu hat Marco Laufenberg in seinem Blogbeitrag (Selbstanzeige wegen Ordnungswidrigkeit) gedreht. Dort kann man sich wunderbar ein eigenes Bild machen.

Meinem Widerspruch gegen das Zeichen 254 (Verbot für Radfahrer) wurde leider nicht entsprochen. Angeblich war seit Eröffnung des Rheinufertunnels das Radfahren dort untersagt. Die Beschilderung soll wohl mutmaßlich im Rahmen von Bauarbeiten abhanden gekommen sein.

Das Amt für Straßen und Verkehrstechnik hat Meinungen des Fahrradbeauftragten und der Polizei eingeholt. Das Team des Fahrradbeauftragten sieht bei einer derartigen Verkehrsbelastung (45000 Kfz am Tag) und einem hohen Anteil an Schwerlastverkehr keine Möglichkeit, den Radverkehr ohne Radverkehrsanlage durch den Tunnel zu führen. Die Polizei führt an, dass das Befahren der Tunnelröhre für Radfahrer viel zu gefährlich sei. Hauptgründe für diese Einschätzung sind die Enge, der fehlende rechte Ausweichraum infolge der Tunnelwand und der mit Fahrschwenkern verbundene Anstieg am Tunnelende. Die Aufrechterhaltung des Verkehrsverbotes sei dringend erforderlich.

Ich habe heute eine Gegendarstellung auf den Weg gebracht, um die zuständigen Mitarbeiter von einer Sperrung für Radfahrer abzusehen. Ich bin gespannt, wie die Rückmeldung wohl ausfällt…

Den Text meiner Gegendarstellung kann unter folgendem Link aufgerufen werden:
Exakter Wortlaut der Gegendarstellung

8 Kommentare zu “Sperrung für Radfahrer (Runde 2)”

  1. Roland Brühe
    April 4th, 2012 23:09
    1

    Dein Brief mit der “Gegendarstellung” ist wirklich sehr ausführlich, Du argumentierst darin wirklich sehr überzeugend. Ob dies allerdings die Behörde (bzw. den zuständigen Mitarbeiter) zu einem Umdenken bewegen wird? Ich denke, dass dies leider nicht der Fall sein wird und hoffe zugleich, dass es sich doch anders erweisen wird. Auf das Antwortschreiben bin ich jedenfalls sehr gespannt und hoffe, dass Du darüber ebenfalls berichten wirst.

    Das in meinen Augen wirklich zentrale, von Dir mehrfach erwähnte Argument, ist das Angebot einer Alternative für Radfahrer. Und dazu benötigt es in der Tat mehrere Auswahlmöglichkeiten, die zur Zeit eben nicht gegeben sind.

    Die ganzen Sicherheitsbedenken der Behörde und der Polizei beruhen ja wohl am ehesten auf einem autofahrerfokussierten Blick auf den Fahrradverkehr. Sie sind im Zweifelsfall überhaupt nicht haltbar, insbesondere wenn nur Personen den Tunnel nutzen, die dieses wünschen. Aber leider weisen derartige Denkstile eine große Beharrungstendenz auf.

  2. siggi
    April 5th, 2012 21:49
    2

    Die Kölner Studenten (AStA) wissen schon seit ein paar Jahren was in Köln gespielt wird und haben damals Nägel mit Köpfen gemacht und sind aus der Initiative Velo 2010 ausgetreten.
    Köln ist eine Stadt die einen Papstbesuch zum Anlass nimmt um die Kölner Rheinbrücken für den Radverkehr zu sperren.
    Köln ist eine Stadt die Baumassnahmen zum Anlass nimmt unm Radfahrer immer wieder auf lebensgefährlichen Kollisionskurs zu zwingen.
    Köln ist eine Stadt die Hinweise auf gefährliche Radverkehrsanlagen dazu missbraucht um genau diese Gefahrenstellen benutzungspflichtig zu machen.
    Köln ist eine Stadt die ideal dazu geeignet wäre dem Fahrrad zum Status Verkehrsmittel Nr.1 zu verhelfen.
    Köln ist eine Stadt die alles daran setzt, dass genau das nicht passiert.

  3. koelnradler
    April 5th, 2012 22:11
    3

    @Roland & siggi:
    Ich hoffe immer noch auf ein Umdenken, ansonsten wäre dies hier alles “vertane Zeit”. Ich glaube einfach an die – vielleicht späte -Einsicht der zuständigen Mitarbeiter. Ich habe mir vorgenommen, bei diesem Thema am Ball zu bleiben, obwohl es für viele Radfahrer wohl eher ein unbedeutendes Thema ist. Mir geht es einfach darum, dass die Behörden uns als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrnehmen und die gesetzlichen Vorgaben in Bezug auf den Radverkehr umsetzen – aber dafür setzen wir uns ja alle ein…

  4. siggi
    April 5th, 2012 22:48
    4

    @kölnradler
    Glaub mir – es ist vertane Zeit.
    Selbst wenn Du es schaffen solltest den Rheinufertunnel für Radfahrer wieder befahrbar zu machen werden sie, in der gleichen Zeit, irgendwo anders wieder “zehn” andere Massnahmen installieren die Radverkehr verhindern werden.
    Flächendeckend wird der Radverkehr mehr und mehr zur Sonderverkehrsregelung verkommen. Dazu tragen vor Allem sogenannte Radverkehrsinitiativen bei aber auch die allwissenden Radlerversteher in den Kommunen (siehe Kön). Die Schlimmsten sind allerdigns die, die den Radverkehr als wirkliche Altenative sehen, aber zu einer anderen Klientel gehören. Genau mit Denen hast Du es wahrscheinlich gerade zu tun.

  5. koelnradler
    April 5th, 2012 23:23
    5

    @siggi:
    Ich möchte einfach nich akzeptieren, dass die Stadt Radverkehr verhindern will. Vielleicht kann man diese Haltung als naiv bezeichnen, aber ich gehe eher von Unwissenheit oder Desinteresse am Thema “Radverkehr” aus. Es scheint wichtigere Themen zu geben, so dass man Radverkehrsthemen nur so nebenbei abhandelt. Die Mitarbeiter der Stadt sind rein statistisch zum großen Teil Autofahrer, die sich eventuell auch über Radfahrer auf “ihren” Straßen ärgern. Wenn ich diesen Mitarbeitern nachweisen kann, dass sie gegen bestehende Regelungen, Vorgaben oder Gesetze handeln, kann ich sie eventuell an ihrem beruflichen Renomee packen. Wer gibt schon gerne zu, sich in seinem Fachgebiet nicht umfassend auszukennen. Mir ist auch klar, dass ich möglicherweise genau das Gegenteil erreiche.

  6. Marco
    April 7th, 2012 11:28
    6

    Stefan, schöner Artikel und ein sehr stichhaltiges Schreiben mit einer flüssigen und nachvollziehbaren Argumentation.

    Ich kann Dir versichern, daß die Stadtverwaltung sich an anderer Stelle selbst auf die ERA als “verbindlich” bezieht – offensichtlich sucht man sich daraus also nur die Dinge, die passen und andere Empfehlungen ignoriert man.

    Meine Selbstanzeige bei der Polizei ist beantwortet worden und zwar folgendermaßen:

    “Die Anordnung von Verkehrszeichen und -verboten fällt in die orriginäre Zuständigkeit der örtlichen Straßenverkehrsbehörde. Von daher bitte ich Sie, Ihre Anfrage an die Stadt Köln zu richten.”

    Das heißt auf deutsch: man schiebt sich den schwarzen Peter zu: die Polizei sagt “die Stadt macht das, da können wir nichts machen”, die Stadt sagt “die Polizei hat’s vorgeschlagen, wegen der Sicherheit, also machen wir’s”. Das war schön öfters so und das wird auch immer so sein – bloß keinen Dialog eingehen mit den Querulanten, die es womöglich tatsächlich besser wissen könnten ….

  7. Axel
    April 13th, 2012 07:40
    7

    Moin moin,

    ich bin schwer beeindruckt von deiner Ausführung an unsere lieben Stadtväter. Aus persönlich Erfahrung kann ich sagen, dass ich dir in allen Punkten zustimmen kann.

    Nach überwindung meines inneren Schweinehundes fahre ich mittlerweile seit 5 Wochen täglich von Zündorf bis zur Bastei zur Arbeit. Momentan benutzte ich notgedrungener Weise die Uferpromenade. Morgens so um kurz vor sieben ist das ja auch kein Problem und eine super Strecke, obwohl das Kopfsteinpflaster natürlich stört, aber am Nachmittag (zw. 16-18:00 Uhr) ist es gelinde gesagt Lebensgefährlich. Normalerweise müsste man auf des Abgangs der Hohenzollernbrücke absteigen und das Fahrrad bis zur Deutzer Brücke schieben. Man kommt sich mit sowohl mit entgegenkommenden Fahrradfahrern, als auch Fußgängern in die Quere. Kommen sie einem entgegen geht es ja noch aber kriminell wird es, wenn man sich Ihnen von hinten nähert. Du fängst schon an weiträumig um sie herum zu fahren und doch schaffen es manche ungeahnte Bewegungen hinzulegen, so dass sie dir doch fast unter dem Reifen liegen.

    Ich kann das Problem sowieso nicht verstehen. Gerade im Nachmittagsverkehr und Richtung Schokoladenmuseum stehen erstens drei Fahrstreifen zur Verfügung und zweitens steht doch da sowieso alles. In der Zeit die ein Autofahrer benötigt um im Berufsverkehr durch den Tunner zu fahren, schaffen wir Fahrradfahrer das doch locker. Und wie du schon sagst, es ist eine Alternative. Jeder könnte für sich selber entscheiden, welchen Weg er nutzt. Auf dem Weg zur Arbeit wäre es mir wahrscheinlich selber zu gefährlich, jedoch würde ich den Tunnel auf dem Heimweg gerne nutzen.

    Mach weiter so…

  8. Martin
    April 16th, 2012 22:52
    8

    @Axel: Mach am besten mit! Ich hab’s auch versucht, das ist Granit, auf den man da beißt. Anhand des Antwortschreibens scheint das einer allein mit (vermeintlicher?) Rückendeckung der Polizei zu entscheiden. Wegen der alle 100 Meter auftretenden Defekte am Fahrrad, wegen der man absteigen und schieben und sich vor heranrauschendem Schwerlastverkehr in Sicherheit bringen müsste, was halt nicht geht, ist es nun mal zu gefährlich im Tunnel für Radfahrer. Und es existiert doch eine schöne Umleitung! Wir alle machen uns was vor, wenn wir meinen, dass es dort drin sicher ist! :-o ;-)

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