Rheinufer – Darf ich, oder darf ich nicht?

Ich bin oft am Rheinufer zwischen Theodor-Heuss-Ring und dem Niehler Hafen unterwegs. Sei es mit dem Fahrrad oder als Fußgänger / Jogger. Aber ehrlich gesagt, ist mir erst zuletzt die merkwürdige Radwegebeschilderung wirklich aufgefallen. Seitdem im Bereich zwischen der Strasse „An der Schanz“ und der Hohenzollernbrücke eine neue Hochwasserschutzmauer errichtet wurde, ist die Beschilderung meiner Ansicht nach nicht eindeutig und birgt eine große Rechtsunsicherheit.
Ich muss dazu sagen, dass ich diese Strecke zumeist früh am Morgen oder abends mit dem Fahrrad benutze, wenn nicht viel Fußvolk unterwegs ist. Daher komme ich hier auch zügig voran und kam bisher nicht auf die Idee, auf der Fahrbahn zu fahren. Mittlerweile habe ich aber eingesehen, wohl ungewollt Falschradler geworden zu sein, wenn ich in Richtung Süden unterwegs war. Diese Einschätzung resultiert aus folgender „fiktiven“ Fahrt in Richtung Süden (aufgrund der vielen notwendigen Fotos, wird dieser Blog wohl etwas länger ausfallen…):

Zwischen der kleinen Brücke am Niehler Hafen und dem AXA-Hochhaus (früher Colonia-Hochhaus) ist die Strecke eindeutig als kombinierter Rad-/Fußweg in beiden Richtungen ausgeschildert. Wenn nicht gerade Hochsommer oder Wochenende ist, kann ich damit als Radfahrer auch sehr gut leben und fahre daher auch gerne hier. Wenn es zu voll wird, kann ich ja auch die Strasse „Am Molenkopf“ verwenden (Meiner Ansicht nach ist dann die Benutzung des gemeinsamen Rad-/Fußweges objektiv nicht zumutbar).


Ab dem AXA-Hochhaus in Richtung Süden ist der Weg ebenfalls bis zur kommenden Ampel (hier fahren die Autos, die am Rheinufer parken direkt wieder hoch zum Niederländer Ufer) als Zweirichtungs-Rad-/Fußweg ausgeschildert, den ich nun auch benutze…
Hinweis: „die grünen Pfeile in den Fotos sollen meine Fahrtrichtung darstellen“.


Diese bereits angesprochene Ampel und das davorstehende, unübersehbare Warnschild in Höhe der Tiergartenstrasse ist wohl dem Umstand geschuldet, dass die Autos von den Parkplätzen kommend nicht in der Lage sind, gleichzeitig auf den Fußgänger-/Fahrradverkehr und den Kfz-Verkehr zu achten.

Hinter der Ampel ist aber keine Beschilderung mehr ersichtlich. Da dies ja für mich ein linksseitiger Rad-/Fußweg ist, darf ich hier – ohne Beschilderung – definitiv nicht weiterfahren. Meine einzige Möglichkeit scheint darin zu bestehen, auf der Fahrbahn weiterzufahren. Links zum Rhein hinunter möchte ich nicht. Aufgrund des Hochwassers ist das zum Zeitpunkt der Aufnahmen sowieso nicht möglich (Absperrung). Ich fahre erst mal über die Ampel hinweg und orientiere mich neu…


Dieses Bild zeigt sich mir aus der gegenüberliegenden Perspektive (ich habe mich hinter der Ampel umgedreht). Der von Norden kommende gemeinsame Fuß- und Radweg, auf dem ich eben geradelt bin, ist vom der Südseite aus ein reiner Fußweg ?!? Ich darf auch nicht mehr zurückradeln, da hier eine Umleitung ausgeschildert ist. Im Moment ist diese aufgrund des Hochwassers zwar nicht fahrbar, aber was soll das ?
Für mich stellt sich eine widersprüchliche Situation dar. Von Norden nach Süden muss ich den linksseitigen Radweg befahren und in der umgekehrten Richtung darf ich ihn nicht benutzen, sondern muss auf der Strasse fahren. In Köln scheint bei Radwegen Alles möglich zu sein. Selbst ohne Hochwasser bin ich nicht gezwungen, zum Rhein hinunter zu fahren.

Als I-Tüpfelchen beachte man bitte auch die Position des Stop-Schildes für den Querverkehr…

Als „fiktiver“ Radfahrer habe ich nun (vorausgesetzt wir haben kein Hochwasser) vier Möglichkeiten:
a) Ich benutze die Umleitung in Richtung Norden
b) Ich fahre zum Rhein hinunter und setzte dort meine Fahrt in Richtung Süden fort.
c) ich fahre als Geisterradler in meiner ursprünglichen Richtung (nach Süden) weiter.
d) Ich wechsle auf die Fahrbahn in Richtung Süden und setze dort meinen Weg fort.

Möglichkeit a) bringt mich definitiv wieder zum AXA-Hochhaus, da es ab dort direkt am Rhein nicht wirklich weiter geht.

Da ich im Augenblick weder auf der Fahrbahn fahren möchte, noch hinunter zum Rhein möchte, versuche ich mich (rein fiktiv) als Geisterradler und fahre nun vorsichtig in Richtung Süden zur Zoobrücke weiter…


Ich bemerke, dass sämtliche Schilder aus meiner Blickrichtung nicht zu erkennen sind. Wahrscheinlich bin ich wirklich Geisterradler…

 

Juhuu, ich bin doch kein Geisterradler. Aber eine Markierung im STVO-Sinne ist der betonierte Streifen (zum Andocken der Hochwasserschutzwand) doch nicht wirklich oder ?…

 

Noch ein Schild, das nur in Gegenrichtung zu erkennen ist. Übrigens, das Fahrzeug kurz vor der Zoobrücke hat sich wirklich einen schönen Platz ausgesucht…

Und wieder eine Bestätigung, dass ich korrekt fahre. Aber warum kann man diese Schilder nicht in beiden Blickrichtungen aufstellen ? Ich bekomme langsam Beschwerden im Nackenbereich. Hier stellt sich mir eine fast philosophische Frage: Kann ein Weg nur in eine Richtung ein Zweirichtungsradweg sein ?

 

So, nun bin ich unter der Zoobrücke. In meine Fahrtrichtung ist immer noch kein Schild zu erkennen.

Ich drehe mich um und mir bietet sich das oben dargestellte Bild (dort komme ich her).

Wenn ich vorher an der Ampel die Fahrbahn benutzt hätte (dort wo ich die vier Möglichkeiten zur Weiterfahrt beschrieben habe), würde ich hier wieder auf meinen derzeitigen Radweg geführt (ich käme von rechts, dort wo ein Pfeilende des Radwegzeichens (Zeichen 237)  hinzeigt.

Achtung, die folgenden zwei Fotos zeigen die Situation, wenn ich nicht auf dem Radweg, sondern auf der Fahrbahn gefahren wäre.


Hier hätte man mich von der Fahrbahn wieder in Richtung Rhein gezwungen.


Beim queren der Rheinuferstrasse (NiederländerUfer) in Richtung Rhein wäre ich zum Glück nochmals darauf hingewiesen worden, dass dort ein Zweirichtungsradweg zu erwarten ist.

Ich setze meine fiktive Fahrt nun in Richtung Süden auf dem rheinseitigen Zweirichtungsradweg fort.

In Höhe der Elsa-Brandström-Strasse kommt es wieder zu einer widersprüchlichen Situation. Das einzige Schild, das von meiner Seite zu erkennen ist, ist ein Radwegweiser (weißes Schild mit rotem Pfeilsymbol). Was möchte mir dieses Schild sagen ? Hinter dem LKW ist zu erkennen, dass ab dort der Radweg vom Fußweg durch eine Mauer getrennt ist. Soll ich etwa jetzt links von der Mauer fahren ? Zur besseren Dokumentation habe ich noch ein Foto (etwas näher zur Mauer hin) gemacht:


Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich links der Mauer fahren soll. Ganz links (in Richtung Rhein) darf ich auch nicht fahren, da hier die Einfahrt durch die Beschilderung auf jeden Fall verboten ist. Oder sollen die Radfahrer hier bewusst in eine nicht für den Radverkehr freigegebene Einbahnstrasse gelotst werden? „15 Euro Spende für den U-Bahn-Bau“, oder was? Um hier für Sicherheit zu sorgen, sollte eindeutig beschildert werden, welcher Weg für Radfahrer und welcher Weg für Fußgänger zu benutzen ist. Ich folge meinem gesunden Menschenverstand und bleibe fahrbahnseitig (rechts). Vorsichtshalber drehe ich mich nochmal um und sehe voller Schrecken folgende Schilder:


Dort wo ich hergekommen bin, hätte ich gar nicht fahren dürfen. Jeder Radfahrer ginge hier davon aus, dass Gegenverkehr nicht zu erwarten ist.

Bin ich nun Geisterradler oder nicht ? Fahre ich auf einem Gehweg ?
Ich bleibe nun einfach (natürlich rein fiktiv) auf meiner Strecke und tue so, als ob ich die Schilder nicht gesehen hätte…

Ich glaube, ich bin zumindest auf der richtigen Seite (Radweg) unterwegs, da auf den anderen Mauerseite Fußgänger laufen. Fußgänger und Radfahrer, die hier die Rheinuferstrasse (Konrad-Adenauer-Ufer) zu meiner Seite hin queren, können definitiv auch nicht erkennen, wo der Fußweg und der Radweg verläuft, geschweige denn, ob man mit dem Fahrrad in beide Richtungen fahren darf. Mal sehen, ob das nächste Schild mein Geisterradler-Gefühl bestätigt.

So, nun bin ich an der Bastei. Dieses Schild ist wieder nur auf der anderen Richtung zu erkennen. Ich sehe mir das Schild von der anderen Seite an.


Ich fühle mich nun wirklich bestätigt, dass ich wohl doch als Geisterradler unterwegs war.

Nochmal zum Mitschreiben:
Aus Sicherheitsgründen hätte ich normalerweise schon am AXA-Hochhaus auf die Fahrbahn wechseln sollen, um in die Innenstadt (Richtung Süden) zu gelangen. In Höhe der Zoobrücke wäre ich dann von der Fahrbahn auf den rheinseitigen Radweg gelotst worden, auf dem ich aber aufgrund der Beschilderung nur wieder in Richtung Norden (entgegen meiner gewollten Fahrrichtung) zurückradeln darf ! Das ist doch wirklich lächerlich.
Diese Beschilderung ist für mich ab sofort der Grund, hier generell auf der Fahrbahn zu bleiben.

Der Vollständigkeit halber möchte ich aber meinen fiktiven Weg in die Innenstadt fortsetzen:

Ab der Bastei weiter in Richtung Süden (Innenstadt) ist der Weg wieder schön und korrekt ausgeschildert (Zweirichtungsradweg).

Erst auf Höhe der Machabäerstrasse fühle ich mich wieder verarscht. Jetzt habe ich als linksseitiger Radler kein Gegenverkehr zu erwarten. Wie geht denn das …ach ja, hatten wir ja bereits am AXA-Hochhaus.

Geht doch.

Schade, der Radweg ist kurz vor der Hohenzollernbrücke zu Ende. Ich kann nun links über die Promenade fahren, (tagsüber ist hier, vor allem im Hochsommer, kein durchkommen) oder wieder rechts auf die gegenüberliegende Strassenseite fahren.

…Vielleicht sollte ich durch den Rheinufertunnel fahren…

…nein, geht nicht. Ich glaube hier ist Schluss. Hier darf ich leider weder mit dem Fahrrad, noch zu Fuß hindurch.

 

6 Kommentare zu “Rheinufer – Darf ich, oder darf ich nicht?”

  1. Karl
    März 22nd, 2010 14:53
    1

    Hi, ich hatte eigentlich nie zweifel, ob ich am Rhein in die Stadt fahren darf. Es fehlen wohl nur einzelne Schilder, die vielleicht geklaut wurden :-0

    Aber rein rechtlich wirst du wohl recht haben.

  2. Holger
    März 30th, 2010 08:32
    2

    Schade, dass Du nicht noch weiter nach Rodenkirchen gefahren bist (Vieleicht kommt das in Teil zwei?).

    Da ist dann teilweise der Geh-/Radweg linksseitig mit Zeichen 241 ausgeschildert. Meistens mit dem Radwegteil auf der vom Rhein abgewandten Seite, auf einem Teilstück aber genau umgekehrt (mal ordentlich Radler und Fußgänger durchmischen!). Aber halb so wild, da die Z. 241 eh nichtig sind, da weder eine bauliche Trennung zwischen Rad- und Fußweg existiert, noch eine weiße Trennlinie aufgezeichnet ist.

    ciao
    Holger

  3. Stefan (admin)
    März 30th, 2010 21:47
    3

    Leider fahre ich die Strecke bis Rodenkirchen nur selten. Ich bin zwar schon dort unterwegs gewesen, hatte aber leider nie meine Kamera dabei (Fotos meines Handys sind leider zu schlecht). Bei Gelegenheit werde ich die Strecke aber ‘mal abfahren und dokumentieren.

  4. Thomas
    April 28th, 2010 21:31
    4

    Fahr doch einfach durch den tunnel durch, oder schieb dort durch. beide Schilder dort sind nicht mehr gültig…..

  5. siggi
    September 29th, 2010 23:58
    5

    Wenigstens darf man von der anderen Seite durch den Rheinufertunnel radeln.

  6. raimund
    November 10th, 2010 22:20
    6

    hab mal am dom-rheinufer einen von der “rennleitung” angesprochen, wo ich fahren soll weil es wegen kirmes/flohmarkt etc. mit dem rad keine möglichkeit gab durchzukommen: ich bekam den ratschlag entweder zu schieben, oder den tunnel zu benutzen …

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